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Morgenkreis in der Kinderkrippe

Singen, Spielen und Musizieren als gemeinsames Gruppenerlebnis ist für die kindliche Entwicklung eine schöne und gleichzeitig wichtige Erfahrung. Der gemeinschaftliche Spielkreis als festes regelmäßig wiederkehrendes Element unterstützt dabei die Gruppenbildung, während er gleichzeitig die soziale Kompetenz eines jeden einzelnen Kindes stärkt.

 

Morgenkreis in der Kinderkrippe

© fotolia.com

Jeden Tag erlebt sich jedes Kind in unterschiedlichen Beziehungspositionen. Für seinen Alltag in der Krippe umfasst die Ich-Du-Beziehung sowohl das Spiel zu zweit mit einem anderen Kind als auch die Beziehung zu seiner Erzieherin. Darüber hinaus wird jedes Kind auch immer mal wieder in eine Ich-Ihr-Beziehung hineingedrängt, beispielsweise, wenn andere Kinder es nicht mitspielen lassen. Hoffentlich wesentlich häufiger findet es sich jedoch in einer Ich-Wir-Beziehung, die viele unterschiedliche Facetten aufweist. Neben dem Spiel von mehr als zwei Kindern untereinander brauchen die Kinder Gruppenerlebnisse. Sie müssen sich aktiv als Teil einer Gruppe erfahren, wenn Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen sollen. Dabei sind Motorikstunden im Bewegungsraum eine andere Zielsetzung als ein gemeinsamer Spielkreis.

Die Gruppe als Einheit

Dem Kreis als Urform des Lebens und der Vollkommenheit, als Symbol der Perfektion und Einheit mit dem Charakteristikum ohne Anfang und Ende zu sein, kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu. Hier sind alle gleichermaßen integriert, alle haben den gleichen Blickwinkel und jeder kann mit jedem interagieren. Darüber hinaus ist von außen eine geschlossene Gruppe, eine Einheit, erkennbar. Die Erfahrung dieser sozialpsychologischen Aspekte ist für die Entwicklung einer Gruppe, aber auch jedes einzelnen Gruppenindividuums von unschätzbarem Wert.

Rituale im Sitzkreis

Unbestreitbar muss sich ein Krippenspielkreis von einem Spielkreis im Kindergarten unterscheiden. Dauer, Inhalt und Präsentationsform richten sich schließlich immer nach den Teilnehmern.

Zunächst einmal ist es wichtig, dass der Spielkreis ein regelmäßig wiederkehrendes Element im Alltag der Kinder darstellt. Darüber hinaus muss eine Tageszeit gewählt werden, zu der die Kinder ausgeschlafen sind, sodass eine grundsätzliche Aufnahmemöglichkeit überhaupt möglich ist.

Die Dauer des Sitzkreises richtet sich nach der Konzentrationsfähigkeit der Kleinen, was bedeutet, es gibt keine starre Zeitangabe. Vielmehr wird sich die gemeinsame Spielzeit im Kreis im Laufe der Wochen und Monate ändern. Anfangs lässt sich gut an einem ungefähren Richtwert von 6 - 8 Minuten orientieren, während der drei bis vier unterschiedliche Elemente präsentiert werden.

Mit der Zeit werden weitere Elemente hinzukommen, die die Spielkreiszeit verlängern. Entscheidend ist, dass die Zeit im Kreis eine gleichbleibende Struktur hat, an der sich die Kinder orientieren können, d.h., am Anfang und am Ende stehen das Eröffnungs-/Begrüßungslied bzw. das Schlusslied, die idealerweise immer gleich bleiben. Dazwischen ändern sich zwar im Laufe der Wochen die Inhalte, jedoch nicht die Positionen der Elemente. Entscheidet sich ein Erzieherteam beispielsweise dafür, nach dem Eröffnungslied ein Fingerspiel und anschließend ein Körperspiellied einzuführen, so steht das Fingerspiel immer an zweiter Stelle. Niemals wird die Reihenfolge getauscht. Kommen neue Elemente hinzu, werden sie zwischengeschoben und verbleiben zukünftig an eben jener Position. Dabei ist auch ganz wichtig darauf zu achten, dass sich niemals mehr als ein bis maximal zwei Inhalte auf einmal ändern sollten. Kinder lieben Wiederholungen und Kinder brauchen Wiederholungen.

Die Kleinen wollen mitgerissen werden

Ein unbestreitbar wichtiger Faktor, wenn nicht gar der Entscheidendste, für die erfolgreiche Arbeit mit den Kleinsten im Kreis ist die Art der Präsentation. In den ersten 18 Monaten ist das Kind zum größten Teil mit sich und dem Kennenlernen seiner Umwelt beschäftigt. Das Erfassen von Sprache geschieht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch nicht über das inhaltliche Verstehen von Wörtern, sondern hauptsächlich über Hören und Aufnehmen von Sprachmelodie und Mimik. Einfache Satzstrukturen werden verstanden, wenn sie optisch unterstützt werden. Daher spielt die Facettenvielfalt der Stimme der Erzieherin eine wesentliche Rolle. Sie muss es schaffen, Emotionen zu transportieren und damit sowohl die Neugier und Aufmerksamkeit der Kinder zu erregen als auch die inhaltliche Nachricht zu vermitteln. Die Stimme ist ihr Instrument. Passend zur Botschaft sollte sie mal traurig, mal fröhlich, mal geheimnisvoll und spannend klingen. Mal langsam, mal schneller sprechen, mal leiser, mal lauter, mal hell und piepsend oder mal dunkel und brummig.

Darüber hinaus ist der Blickkontakt zu den Kindern von großer Wichtigkeit. Ihre Augen und ihre Mimik müssen die Kleinen fesseln und in ihren Bann ziehen. Ebenso ihre Körpersprache. Es ist die Kombination aus diesen Elementen, die die Kinder im Kreis halten und dazu animieren, kleine Verse nachzusprechen, Lieder mitzusingen und Bewegungen zu imitieren. Dabei kommt der Auswahl der Inhalte eine weitere Bedeutung zu.

Altersgerecht, aber nicht anspruchslos

Die Inhalte des Spielkreises müssen verschiedenen Anforderungen genügen. Dabei steht an erster Stelle, dass sie der Erzieherin gefallen. Denn nur woran jemand selbst Freude hat, kann erfolgreich an die Kleinsten weitergegeben werden. Dabei versteht es sich von selbst, dass die Inhalte altersgerecht sein müssen. Sätze dürfen keine komplizierten Satzstrukturen aufweisen. Sie sollten einfach und vor allem auch grammatikalisch korrekt sein. Lieder mit leichten Melodieverläufen ohne große Intervallsprünge sollten ausgesucht werden, sodass die Kleinen Inhalten folgen und Lieder mitsingen können. Werden Kinder musikalisch, grammatikalisch oder semantisch überfordert, schalten sie ab und wenden sich vom Geschehen ab.

Ob inhaltlich traditionelles Liedgut oder neue Verse ausgesucht werden, bleibt der Erzieherin überlassen, wobei eine schöne Mischung aus Alt und Neu sicherlich als ideal anzusehen ist. Als Elemente im Krippenspielkreis eignen sich vor allem Finger- und Körperspiele, altersgerechte Lieder und Klanggeschichten, die mit Kleininstrumenten oder Klanggesten begleitet werden können, kleine Bewegungsspiele, sowie Spiele mit Materialien, wie bspw. Tüchern oder Bällen und Spiele mit dem Thema Abgeben, Weitergeben und Tauschen.

Fazit

Werden alle äußeren, inhaltlichen und darbietenden Aspekte beachtet, ist die Durchführung eines regelmäßigen Spielkreises in der Krippe kein Problem, sondern vielmehr eine unglaubliche Bereicherung im Rahmen der Frühförderung der Kleinsten.

Buchtipps:

Jetzt ist Krippenspielkreiszeit, Elke Gulden & Bettina Scheer, Ökotopia-Verlag 2011

Der musikalische Morgenkreis, Elke Gulden & Bettina Scheer, Don Bosco Medien GmbH 2012