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Nicht bloß Theorie: "Analoge" Medienarbeit in der Kita

Auch ohne den Einsatz von Technik ist einiges möglich. Kinder sollen im Aufwachsen mit Medien begleitet werden und Anreize erhalten, mediale Welten kennen und verstehen zu lernen. Um die Medienkompetenz zu fördern, bedarf es dabei keineswegs immer entsprechender Gerätschaften.

Analoge Medienarbeit in der Kita

© Oksana Kuzmina

Aktive Medienarbeit bietet sich zur Förderung basaler Medienkompetenz aus mehreren Gründen an. Das Ausprobieren und Selbermachen soll dazu beitragen, Medien und ihre Funktionsweisen zu erforschen. In der aktiven Medienarbeit geht es um bewusste Auseinandersetzung mit einem Medium in einem geschützten Raum, der Anreize bietet, mediale Welten kennen und verstehen zu lernen.

Das bedeutet auch, das Medium selbst zum Thema zu machen. Und wichtig ist nicht nur, den technischen Umgang mit einem Medium auszuprobieren, sondern auch dessen Wirkweisen zu kennen. Ein gewollter Effekt von Medienarbeit kann die Entzauberung von medialen Produktionen sein, die davor lediglich konsumiert, aber nicht verstanden wurden. Um Grundlagen für das Verstehen medialer Wirklichkeiten zu schaffen, kann bereits ein kurzes Projekt genügen.

Anhand von praktischen Übungen finden Kinder nicht nur auf spielerische Art und Weise heraus, wie etwas funktioniert, sondern auch, wie und warum etwas wirkt.

Im Folgenden werden Ideen vorgestellt, mit denen spielerisch Medien zum Thema gemacht werden können, ohne technischen Aufwand zu betreiben. Je nach vorhandener Zeit und Erfahrungsstand der Kinder kann man die Projektideen unterschiedlich intensiv durchführen.

So fördern Sie die auditive Wahrnehmung

Zur Förderung auditiver Wahrnehmung eignen sich Spiele, die mit dem Thema Hören zu tun haben. Ein Geräuschrätsel kann von Kindern ganz einfach selbst gemacht werden. Während sich alle Kinder die Augen zuhalten, darf ein Kind ein Geräusch seiner Wahl erzeugen. Die anderen raten, was sie gehört haben.

Die pädagogische Relevanz der Hörförderung liegt auf der Hand: Hören und vor allem Zuhören sind Basiskompetenzen und ein Grundstein der Kommunikation, Spiele zur Förderung auditiver Wahrnehmung helfen Kindern, ihren Hörsinn zu trainieren und sich auf Ausschnitte der sie umgebenden Wirklichkeit zu konzentrieren.

Auch für den Konsum von Medien ist das Hören elementar. Denn bei Film und Fernsehen werden viele Interpretationshinweise auditiv verpackt, zum Beispiel in Form von Musik oder Geräuschen. Herannahende Schritte oder gruselige Musik lassen viele Aufschlüsse darüber zu, was im Bild als Nächstes passieren wird.

Praxis-Tipp:

Um das Spiel zu strukturieren, empfiehlt es sich, vorher bestimmte Situationen zum Nachvertonen vorzugeben, zum Beispiel "Küche", "Straßenverkehr" oder "Wald". Tierstimmen sind als Thema bei Kindern ebenfalls beliebt.

So fördern Sie die visuelle Wahrnehmung

Papprollen eignen sich hervorragend, um die visuelle Wahrnehmung von Kindern zu fördern. Indem Kinder mit einem Auge durch die Rolle hindurchschauen und sich das andere Auge zuhalten, sehen sie automatisch nur einen kleinen Ausschnitt der sie umgebenden Wirklichkeit. Das kann als Anlass dienen, über die gesehenen Details zu sprechen.

Durch teilweises Verdecken wird die Aufmerksamkeit auf Details gelegt, Kinder lernen so, dass auch anhand von Ausschnitten Dinge in ihrer Gänze erkennbar sind.

Spiele zur Förderung visueller Wahrnehmung setzen sich zum Ziel, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Bereiche im Sichtfeld zu legen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass alles, was wir sehen, immer nur Ausschnitte der Wirklichkeit sind. Da bei Film und Fernsehen, anders als im realen Leben, die Bildauswahl durch einen festgelegten Ausschnitt mit einem Rahmen vorgegeben ist, wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers also durch den Filmemacher gesteuert.

Praxis-Tipp:

Diese können alternativ auch gezeichnet werden und als Bilderrätsel dienen. Auch Fotos oder aus Magazinen ausgeschnittene Bilder sind denkbar.

Mit Daumenkinos das Einmaleins des Films lernen

Eine weitere Möglichkeit, sich mit Film vertraut zu machen, ist das Erstellen des bekannten Daumenkinos. Indem mehrere Zeichnungen in minimal veränderter Form übereinandergelegt und durchgeblättert werden, entsteht der Eindruck einer Bewegung. Das liegt daran, dass unser Auge träge ist und ab einer gewissen Geschwindigkeit die Bilder nicht mehr einzeln wahrnimmt.

Bereits mit einfachen Strichzeichnungen kann ein überraschender Effekt erzielt werden. So entsteht ein schönes Produkt, das immer wieder angeschaut werden kann. Da ein Film im Prinzip auch nicht anders funktioniert, ist das Daumenkino eine gute Möglichkeit, die Funktionsweise praktisch nachvollziehen zu können.

So fördern Sie die audiovisuelle Wahrnehmung

Um Kindern das Zusammenwirken von visuellen und auditiven Reizen zu verdeutlichen, können Spiele genutzt werden, die zunächst nur eine Reizquelle bieten, die andere Reizquelle ergänzen die Kinder.

Zeigt man zum Beispiel das Bild einer Kuh, können die Kinder das passende Geräusch erzeugen. Auch umgekehrt können Bilder einer Kuh gemalt werden, nachdem die Kinder das Muhen gehört haben.

Natürlich kann die Komplexität eines solchen Spiels je nach Alter der Kinder variiert werden. Wichtig dabei ist, dass die Kinder erkennen, dass mit Geräuschen Bilder im Kopf des Zuhörers erzeugt werden können. Mit ein wenig mehr Aufwand können Karten mit Abbildungen von Tieren, Situationen oder Gegenständen erstellt werden, die immer wieder für Nachvertonspiele verwendet werden können.

Von pädagogischer Relevanz ist hierbei, dass im täglichen Leben viele verschiedene Reize auf unsere Sinnesorgane treffen und häufig das Zusammenspiel dieser Reize es uns ermöglicht einen Gesamteindruck zu gewinnen. Vor allem bei der Kommunikation spielen audiovisuelle Reize eine große Rolle. Auf der einen Seite hören wir, was unser Gegenüber spricht und wie seine Stimme klingt, auf der anderen Seite sehen wir, wie er sich verhält und wie sein Gesichtsausdruck ist, zum Beispiel, ob jemand fröhlich oder traurig ist.

Nur wenn diese beiden Informationsebenen zusammen interpretiert werden, erhalten wir ein vollständiges Bild der Nachricht. Die Förderung audiovisueller Wahrnehmung sensibilisiert Kinder dafür, dass wir Informationen aus der Umwelt auf unterschiedlichen Wegen aufnehmen und dass man Menschen in einer Unterhaltung nicht nur zuhören, sondern auch zuschauen sollte. Das gilt auch für Film und Fernsehen: Eine korrekte Interpretation von Filminhalten ist erst möglich, wenn die Informationen aus beiden Ebenen zusammenkommen.

Weitere Informationen

Der vorliegende Artikel ist ein Auszug aus der Broschüre "Medienzwerge - Medienarbeit in der Kita", freundlicherweise bereitgestellt von der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS).

Weitere Infos unter: www.mkfs.de

Auf der Elternseite des WDR findet sich ein kurzer Film mit dem Elefanten aus der Sendung mit der Maus, bei dem ein und dieselbe Situation mit unterschiedlicher Musik zu sehen ist.

Praxis-Tipp:

Ideen für Daumenkinos findet man im Internet, beispielsweise bei YouTube oder der Elternseite des WDR, dort gibt es ein fertiges Daumenkino mit dem Elefanten aus der Sendung mit der Maus zum Ausdrucken und Ausschneiden.

Wenn die technische Möglichkeit besteht, kann man sich diesen Film auch gut mit den Kindern gemeinsam anschauen und mit ihnen darüber sprechen, wie welche Musik wirkt.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, in der Kita, ohne den Einsatz von Technik, basale Medienkompetenz zu fördern. Gerade einfache Mittel verdeutlichen Kindern spielerisch die Wirkung von Medien. Zudem können kleine "mediale" Übungen ohne Technikeinsatz gut in den Kita-Alltag integriert werden und trotzdem bei Kindern große Wirkungen erreichen.