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Arbeiten mit dem Computer im Kindergarten

Wenn Sie Computer für pädagogische Arbeit mit Kindern nutzen wollen, müssen Sie einige grundsätzliche Dinge berücksichtigen. Worauf genau zu achten ist, was unbedingt bedacht werden muss und wo manchmal der "Teufel" im Detail steckt soll in diesem Artikel beleuchtet werden. Eine Grundvoraussetzung ist aber, dass von dem Computerarbeitsplatz kein Zugriff auf Sozialdaten erfolgen darf. Verwaltungs-PCs, auf denen beispielsweise Daten der Familien gespeichert wurden, sind keine Geräte, an denen die Kinder arbeiten sollten.

Digitale Fotografie und Computer in der Kita

© Tomasz Zajda

Bei der Anschaffung eines Computers sollten Sie bedenken, dass gespendete Computer nicht immer eine gute Wahl sind. Wenn doch, müssen sie sehr genau untersucht werden. Nicht selten nutzen "Spender" pädagogische Einrichtungen, um ihren Elektronikschrott zu entsorgen.

Einen Computer ohne Betriebssystem können Sie nicht nutzen. Wenn der Computer einen Lizenzaufkleber besitzt, ist das System sozusagen "dabei" und kann mit dem jeweiligen Installationscode installiert werden. Fehlt ein solcher Lizenzaufkleber, muss er entweder in der Bedienungsanleitung oder anderen Unterlagen beiliegen, sonst müssen Sie ein Betriebssystem hinzukaufen.

Ein Laptop hat gegenüber dem klassischen Desktop-PC den Vorteil, dass Sie ihn unkomplizierter an jedem Ort einsetzen können. Dies ist vor allem im Kita-Alltag ein großer Vorteil, weil der Computer dahin kommt, wo die Erzieher/innen und die Kinder sind und nicht die Kinder zum Computer gehen müssen. Unter Umständen ist aber auch ein Computerraum, in dem in Ruhe gearbeitet werden kann, von Vorteil.

Möglichst alle in der Einrichtung verwendeten Programme sollten kostenlos sein. So geben Sie allen Eltern die Möglichkeit, die gleichen Programme zu Hause zu nutzen, gerade auch dann, wenn sie kein Geld dafür haben oder ausgeben wollen. Illegale Kopien teurer Programme dürfen selbstverständlich nicht genutzt werden - auch wenn Eltern mit "Sicherheitskopien" in der Einrichtung stehen!

Damit der PC langfristig funktionsfähig bleibt, gibt es die Möglichkeit, die Programme des Computers mit entsprechender Software vor versehentlichem Verändern wichtiger Einstellungen zu schützen. Hierfür und für den Schutz vor Computerviren sollte bei der Installation des Computers entsprechende Hilfe in Anspruch genommen werden. Scheuen Sie nicht davor zurück, gegebenenfalls Fremdfirmen zu beauftragen. Es ist nicht die Aufgaben des pädagogischen Personals, einen Computer zu konfigurieren und zu warten. Beim Kauf eines Druckers kann sinnvoll sein, wenn Sie ein Gerät wählen, das über WLAN im ganzen Haus ohne komplizierte Kabel genutzt werden kann. Achten Sie aber vor allem darauf, dass die Druckerpatronen günstig nachgekauft werden können. Im Endeffekt ist ein billiger Drucker durch teure Patronen im Ergebnis häufig kostspieliger.

Praxis-Tipp: Beim Speichern der Daten ist zu bedenken, dass der Computer Daten immer alphabetisch sortiert. Speichern Sie die Ordner oder Dateien daher mit der amerikanischen Datumsschreibweise. Anstelle von "15-01-2014" also "2014-01-15". Somit werden die Dateien nicht nach Tag und dann nach Monat, sondern gleich nach Jahr, Monat und Tag sortiert.

Vom Suchen und Finden: Ordner und Dateien

Egal was im Rahmen der Medienarbeit am Computer erstellt, gemalt oder gestaltet wird, wichtig ist es, die Daten zu speichern. Hier empfiehlt es sich, wenn Sie ein einheitliches System an jedem Computer verwenden. So können sowohl die Kinder als auch die Mitarbeiter/innen die Daten wiederfinden.

Um Kindern zu erklären, wie eine Festplatte im Computer funktioniert, greifen Sie auf ein Beispiel aus dem echten Leben zurück: Eine Festplatte funktioniert im Prinzip wie ein Schrank: In dem Schrank gibt es verschiedene Ebenen, in denen verschiedene Ordner mit einem Register stehen. Dies lässt sich auch auf die Festplatte übertragen. Jede Gruppe der Einrichtung bekommt eine Ebene mit Ordern, in den Ordnern wiederum gibt es ein Register z.B. für Bilder oder Texte. Alternativ kann auch jedes Kind einen eigenen Ordner bekommen.

Auch hier erleichtert eine einheitliche Sortierung und Benennung der Daten und Ordner Kindern und Mitarbeiter/innen, ihre eigenen Daten wiederzufinden und daran weiterzuarbeiten.

Digitale Fotografie im Kindergarten

Erinnern Sie sich noch daran, wie kompliziert es früher war, Fotos vom Sommerfest für Eltern und Großeltern zu vervielfältigen? Das geht heute zum Glück einfacher. Auch das Fotografieren selbst ist viel unkomplizierter geworden und schon die Jüngsten in der Gruppe können mit einer Digitalkamera tolle Fotos machen - wenn man sie lässt!

Haben Sie keine Angst davor, Kindern die Kompakt-Kamera der Einrichtung in die Hand zu geben. In der Regel gehen sie sehr vorsichtig damit um. Der Hinweis, die Hand durch die Schlaufe zu stecken und vorsichtig damit umzugehen, hat sich in unserer praktischen Arbeit (nicht nur mit Kindern) bewährt und als ausreichend dargestellt.

Von unseren sechs Kameras wurde in den letzten 5 Jahren lediglich eine ernsthaft beschädigt - und das von einem Lehramtsstudenten im fünften Semester.

Anforderungen an eine Digitalkamera

Sollten sie noch keine Digitalkamera besitzen oder den Bestand erweitern wollen sollten Sie beim Kauf ein paar Dinge beachten. Neben den Kosten muss auch auf Einsatzmöglichkeiten, Verarbeitung und Zubehör geachtet werden. Folgende Überlegungen können ihnen bei der Auswahl behilflich sein:

Handhabung und Verarbeitung: Die Kamera sollte so verarbeitet sein, dass sie zum einen gut von Kinderhänden gehalten werden kann und zum anderen nicht bei der kleinsten Unachtsamkeit kaputt geht.

Sonderangebot oder Markenware: Bei einem Sonderangebot aus dem Discounter kann ein wenig Geld gespart werden, dennoch sollte gut überdacht werden, ob sich nicht doch ein paar Euro mehr lohnen. Kameras eines Markenherstellers können in zwei oder drei Jahren bei Bedarf nachgekauft werden - vielleicht in einer etwas anderen Ausführung, aber Handhabung und Zubehör bleiben identisch. Dies ist bei Einmalangeboten oft nicht der Fall.

Speicherkarte: Die mitgelieferten Karten sind in der Regel sehr klein. Zurzeit sollte eine Speicherkarte von 1 - 4 GB ausreichend sein. Bei den so genannten "SD Karten" ist zu beachten, dass SD-HC Karten von älteren internen Kartenlesern nicht gelesen werden können. Meist lassen sich die Kameras aber problemlos per USB-Kabel an den Computer anschließen.

Akku oder aufladbare Batterie: Einige Kameras haben ein eigenes Akku-Format, das mit einem speziellen Ladegerät aufgeladen werden muss. Dies birgt einen Nachteil, denn das Ladegerät muss immer "dabei sein" und der Akku rechtzeitig geladen werden. Aufladbare Batterien können mit einem normalen Ladegerät aufgeladen und zur Not als "normale" Batterien auch beim Kiosk im Zoo nachgekauft werden. Die Batterie-Akkus sollten eine Kapazität von mindestens 2000 mAh haben.

Was gibt es schon: Sollten Sie bereits Kameras in der Einrichtung angeschafft haben, müssen Sie sorgfältig abwiegen, ob das gleiche Modell bzw. Marke sich bewährt hat und wieder angeschafft werden kann oder ob aufgrund der oben stehenden Überlegungen möglicherweise auf ein neues System umgestellt werden sollte.

Von der Kamera auf den Computer: Die Fotos in einer Digitalkamera lassen sich auf verschiedenen Wegen auf den Computer übertragen. Wenn der PC über ein Kartenlesegerät verfügt, kann die Karte aus der Kamera ähnlich wie ein USB-Stick als "Wechseldatenträger" benutzt werden und die Bilder können dann von der Karte in das Zielverzeichnis kopiert werden.

Alternativ kann die Kamera in der Regel mit einem USB-Kabel an den Computer angeschlossen werden. Ab Windows XP startet in der Regel ein Assistent, der das Übertragen der Bilder sehr gut begleitet.

Praxis-Tipp: Probieren Sie es aus: Lassen Sie die Kinder ein Stofftier oder Ähnliches aussuchen und es dann die Kindertagesstätte erkunden. Wir haben wunderschöne und sehr interessante Fotos zu sehen bekommen, die Kinder in Kleingruppen fotografiert haben.

Kinder-Kino in der Kita

Um erste mediale Erlebnisse für die Kinder zu initiieren, bietet es sich an, ein Kinder-Kino zu veranstalten. Hierfür wird gar nicht so viel Material benötigt:

  • Projektionsfläche
  • Beamer
  • Verstärker + Lautsprecher
  • Video- oder DVD Abspielgerät
  • altersgerechter Film

Als Projektionsfläche kann eine weiße Wand dienen. Notfalls geht auch eine gelbe oder anders hell gestrichene Wand. Eine eher schlechte Variante ist ein Bettlaken, da dies fast immer störende Falten wirft. Eine Leinwand kann häufig in Medienzentrum1  o.Ä. ausgeliehen werden. Allerdings setzt dies ein großes Auto für den Transport voraus. Wenn Sie häufiger, also auch bei anderen Projekten, einen Beamer einsetzen, lohnt es sich eventuell eine eigene Leinwand für die Kita anzuschaffen.

Beamer für die Projektion von Filmen brauchen keine hohe Auflösung. Allerdings sollten Sie beim Kauf darauf achten, dass der Beamer mindestens eine Auflösung von 1024*768 Bildpunkten darstellen kann. Sonst ist das Gerät für Präsentationen mit dem Computer oder anderen Anwendungen eher ungeeignet. Derzeit werden entsprechende Beamer zu Preisen zwischen 400 und 500 € angeboten. Hierbei lohnt sich der Vergleich der Preise für Ersatzlampen im Gerät, die eines Tages ausgetauscht werden müssen. Unter Umständen ist die Entscheidung für Markenbeamer mit günstigeren Lampen die bessere Wahl.

Den Anforderungen an den Ton können heute recht einfache Computerlautsprechersysteme für unter 50 € entsprechen. Nicht selten haben tragbare CD-Player, die eventuell in der Einrichtung vorhanden sind, einen Audio-Eingang, an den dann ein DVD-Player mit entsprechenden Kabeln angeschlossen werden kann.

Der Kauf dieser Geräte ist oft wegen fehlender finanzieller Ressourcen nicht möglich - und bei seltenem Einsatz auch nicht ratsam. Ein Beamer kann wie DVD-Player, Videorekorder und Lautsprechersystem unkompliziert in Medienzentren ausgeliehen werden. Nicht selten ist der Gang zum Medienzentrum ohnehin vonnöten - um den entsprechenden Film auszuleihen.

Vom kleinen Maulwurf im Kinderkino inspiriert und digital begleitet: das Gartenprojekt

Als Einstieg in ein Gartenprojekt können Filme mit dem kleinen Maulwurf als Gärtner oder entsprechende Folgen von Löwenzahn dienen.

Kinder können an der Gestaltung einer Gießtabelle beteiligt werden und lernen so die hilfreichen Funktionen des Computers kennen. Gleiches gilt für das Beschriften der Blumen. Hier können Sie gemeinsam mit den Kindern das Internet als Rechercheinstrument nutzen. Auch hier wird der Computer als Hilfsmittel erlebt, um "offline" Tätigkeiten zu begleiten.

Zur Dokumentation können Sie die Kinder die Pflanzen fotografieren lassen und mit der Textverarbeitung gemeinsam Beschriftungen erstellen und ausdrucken.

Zum Thema Fasching gibt es ebenfalls verschiedene Filme. Hier kann eine Kinovorführung die Gruppe auf eine Faschingsparty einstimmen. Je nach Alter der Gruppe kann das Internet als Quelle für Rezepte für entsprechende Getränke genutzt werden. Hortkinder können per Computer Einkaufslisten erstellen. Die Party selber kann ebenfalls ideal mit der Digitalkamera dokumentiert werden. Ein Ausflug in den Wald oder Zoo kann ebenfalls mit der Digitalkamera fotografiert und mit Word dokumentiert werden.

Nicht ohne Popcorn und Eintrittskarte

Das Kinoerlebnis lebt nicht allein von der großen Leinwand: auch Popcorn und Eintrittskarten gehören dazu. In der Vorbereitung können die Kinder Eintrittskarten selber gestalten - ob selbst aktiv am Computer oder klassisch mit Moosgummi-Druck. Es kann Vorführende geben, die die Technik bedienen und beim Aufbau helfen dürfen. Um Eltern auf das Projekt vorzubereiten, können Sie in einem Infobrief darauf hinweisen, dass am entsprechenden Tag die Veranstaltung stattfinden soll und die Kinder Popcorn oder Ähnliches mitbringen sollen oder es wird gemeinsam in der Gruppe hergestellt.

Nicht jede DVD darf öffentlich gezeigt werden

Wer Filme öffentlich vorführen will, braucht hierfür eine entsprechende Lizenz. Das Zeigen von Filmen in einer Kindertagesstätte ist je nach Definition öffentlich oder nicht - wer auf Nummer sicher gehen will, zeigt nur Filme mit einer entsprechenden Lizenz. Filme aus der Videothek haben diese Lizenz NICHT. Mit dem "Rundfunkbeitrag" hat dieser Sachverhalt übrigens nichts zu tun. Weder muss eine solche Veranstaltung dort angemeldet werden noch reicht ein dort angemeldeter Fernseher für eine Vorführung aus. Analog zu Tonträgern entsprechend der GEMA ist die VIDEMA zuständig für öffentliche Veranstaltungen.

Allerdings bietet auch hier das Medienzentrum pädagogischen Einrichtungen ein großes Angebot an. Alle Filme, die hier ausgeliehen werden, haben eine Lizenz für eine nicht kommerzielle öffentliche Vorführung.

Bei der Wahl des Films müssen unbedingt die Kriterien für den Alters- und Entwicklungsstand angemessenen beachtet werden. Sie sollten sich den Film in jedem VOR der Vorführung selbst (noch) einmal anzusehen um auf mögliche Fragen oder Verunsicherungen reagieren zu können.

Fazit

Digitale Medien sind als Ergänzung für den Kita-Alltag aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bestens geeignet. Kinder erhalten dadurch die Chance, PCs & Co als Werkzeuge kennenzulernen, die ihnen bei der Aneignung ihrer Umwelt ebenso dienlich sein können, wie auch bei der Durchführung besonderer Veranstaltungen, an denen die Erwachsenen ebenfalls ihre Freude haben können.