zurück nach oben

Die ersten 100 Tage

Wann haben Sie zuletzt die Stelle gewechselt? Wie wurden Sie empfangen und hatten Sie das Gefühl erwartet zu werden? Die Art und Weise wie sich ein Arbeitgeber präsentiert und eine neue Mitarbeiterin in die Arbeit einführt und Hilfestellungen anbietet, trägt wesentlich zu dem Eindruck von dem neuen Arbeitsplatz und dem Träger bei.

Wichtige Gespräche in der Einführungsphase führen

Wichtige Gespräche in der Einführungsphase führen

Der Arbeitsbeginn einer neuen Kollegin ist wie die Ankunft einer lang erwarteten Freundin

Fachkräftemangel führt dazu, dass die Neubesetzung von Stellen nicht gesichert übergangslos gelingt. Es geht also nicht nur darum, eine neue Kollegin zu begrüßen, sondern diese gleichzeitig an das Team zu binden.

Die ersten 100 Tage sind also für alle Beteiligten von nachhaltiger Bedeutung. Auch erfahrene »Neue« benötigen eine gezielte Begleitung, um sich am Arbeitsplatz orientieren zu können.

Einarbeitung bedeutet nicht, die Kolleginnen vorgestellt zu bekommen, die Einrichtung gezeigt zu bekommen und dabei Wissenswertes zu erfahren. Das ist nett gemeint, überflutet aber die Neue und verwirrt im Nachhinein, da die vielen neuen Informationen nicht differenziert erinnert werden können.

Was unterstützt dann die ersten Tage, um eine gute Integration zu ermöglichen?

Nachfolgend werde ich verschiedene Facetten vorstellen, wie das Einführungsgespräch, das Einarbeitungskonzept mit Kontrolllisten, den Einführungstag für neue Mitarbeitende und Feedbackgespräche, die bei einer Einarbeitung hilfreich sind.

Personalentwicklung ist eine Führungsaufgabe

Die Leitung steuert und begleitet die Einarbeitung. Vor dem ersten Tag einer neuen Mitarbeitenden wird im Team vereinbart, wer die Einarbeitung übernimmt und um wie viel Uhr es am ersten Arbeitstag losgeht. So ist sichergestellt, dass die neue Kollegin erwartet wird. Die weiteren Schritte werden bestimmt durch das Einführungsgespräch und das Einarbeitungskonzept.

Die Gestaltung des ersten Tages ist von zentraler Bedeutung für die Arbeitshaltung der Neuen und damit auch für den Betrieb.

Die Einführungsgespräche werden im Team unterschiedlichen Kolleginnen zugeordnet und diese werden der Neuen als Ansprechpartner für die Zeit der Einarbeitung genannt. Formale Informationen werden von der Leitung vermittelt und pädagogische Inhalte durch die unmittelbare Kollegin.

Für die unterschiedlichen Facetten der Einarbeitung ist zur gegenseitigen Absicherung eine Checkliste unterstützend, die nach der Bearbeitung durch Unterschrift der Beteiligten Verbindlichkeit herstellt.

Formale Aspekte über die die Leitung zum Beispiel am ersten Tag informieren sollte:

  • Wie melde ich mich am Telefon?
  • Umgang mit Besuchern in der Einrichtung,
  • Verfahren bei Krankmeldungen,
  • Dokumentation der Arbeitszeiten,
  • Beachtung des Schutzauftrages gemäß § 8a,
  • Aushändigung und Besprechung der Arbeitsplatzbeschreibung,
  • Rhythmus von Besprechungszeiten,
  • Umgang mit dem Sozialgeheimnis.

Zu einem späteren Zeitpunkt erläutert die Leiterin den Umgang mit dem PC, die Bearbeitung von Unfallbögen, meldepflichtige Krankheiten, dem Verbandbuch. Dazu kann auch gehören, dass Protokolle bis zur nächsten Sitzung zu lesen sind, sollte man an einer Sitzung nicht teilgenommen können. Jetzt kann es auch unterstützend sein darüber zu informieren, wer in der Einrichtung wofür zuständig ist.

Die direkte Kollegin übernimmt den Rundgang durch das Haus und die Vorstellung der Kolleginnen, erklärt Zeitabläufe, unterstützt die schriftliche Vorstellung an der Pinnwand für die Eltern und Kinder. Zudem stellt sie die Inhalte von Frühdienst- und Spätdienst vor und die Dokumentation der Beobachtung.

Pädagogische Inhalte wie der Tagesablauf in der Gruppe, die Grundsätze der Pädagogik gemäß dem Konzept und den Schwerpunkt der Einrichtung vermittelt die Leitung.

Die direkte Kollegin erklärt die Gruppenregeln, die gruppeninternen Absprachen und gibt erste Informationen zu einzelnen Kindern.

Diese Informationen erhält die Neue auch schriftlich anhand der Checkliste und sie werden immer wieder in Beziehung gebracht mit dem Alltag, um über das Erleben einen guten Einblick und damit ein tieferes Verständnis zu erreichen.

Möglichkeiten zum Austausch geben

Gerade im ersten Monat ist es wichtig, immer wieder Möglichkeiten zu schaffen, dass viel gefragt werden kann und miteinander reflektiert wird, aber auch im Alltag zu beobachten, ob die Einarbeitung störungsfrei verläuft. Dabei ist es handlungsleitend nicht auf Fragen zu warten, sondern die Weitergabe von Informationen als Recht der Neuen anzusehen.

Für Neue ist es in dieser Zeit wichtig zu erfahren, welche Erwartungen der neue Arbeitgeber hat und die Unternehmenskultur immer stärker mitzuerleben und verstehen zu können.

In den Besprechungen haben Neue die Chance, möglichst viele Aufgaben und auch verschiedene Kolleginnen und Vorgesetzte kennenzulernen – so gewinnt der neue Mitarbeitende gleichzeitig ein Gespür für die Abläufe und den Umgang im Unternehmen.

Die Einführung in die Fehlerkultur ist ebenfalls Bestandteil der Anfangszeit. Einen Fehler zu verantworten und daraus zu lernen ist wichtig für eine nachhaltige und gute Zusammenarbeit.

Zunehmende Selbstständigkeit

In den folgenden Wochen steht die kontinuierliche Zunahme an selbständiger Arbeit in der Gruppe, mit den Eltern und im Team im Vordergrund. Die Abstände zwischen den Reflexionsgesprächen werden größer und im Mittelpunkt steht immer die Frage, ob noch Informationen fehlen und ob die gegenseitigen Erwartungen erfüllt werden.

Teil des Einarbeitungskonzeptes ist eine Zeitschiene, um in dem damit verbundenen Rhythmus kontinuierlich die Einarbeitung zu gestalten und auch einen Endpunkt zu setzen, zu dem alles Wissen für eine erfolgreiche Mitarbeit vermittelt und umgesetzt sein soll. Die Probezeit wird mit einem Abschlussgespräch beendet.

Fazit

Die Einarbeitungszeit hat für die Neue eine große Bedeutung. Die ersten 100 Tage entscheiden nicht nur für die Leitung, ob es die richtige Bewerberauswahl war, auch für den neuen Mitarbeitenden steht viel auf dem Spiel vor allem eine nachhaltige Identifikation.