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Fachkräfte finden und binden

Kindertagesstätten stehen vor einem Fachkräftemangel. Wie gehen Träger und Einrichtungen mit dieser Herausforderung um, und was können sie selbst tun, um angemessen darauf zu reagieren?

Personal für die Kita finden und binden

© nadezhda1906

Seit Einführung des Kinderbildungsgesetzes 2008 gewinnt das Thema "Fachkräftemangel" immer mehr an Bedeutung. Durch den U3-Ausbau und das Fachkräfte-Prinzip im KiBiz wird mehr Personal gebraucht, gleichzeitig gibt es zu wenig qualifizierte Fachkräfte.

Auch die veränderten Rahmenbedingungen in den Einrichtungen machen den Erzieherberuf oder den der pädagogischen Fachkraft immer weniger attraktiv, etwa

  • die Einbindung von U3-Kindern in die Gruppen der 2- bis 6-Jährigen (bei unveränderter Gruppenstärke und Personalschlüssel)
  • längere Betreuungs- und Öffnungszeiten
  • befristete Arbeitsverträge (bedingt durch sich jährlich ändernde Pauschalen) und eine nicht angemessene Bezahlung.

So stehen Träger und Kita-Leitungen vor der schwierigen Frage: "Wie finden wir fachliches Personal - und wie können wir es an uns binden?"

Was kann der Träger tun?

Die KölnKitas gGmbH hat sich intensiv und auf allen Ebenen mit der Problematik auseinandergesetzt. Als großer Träger mit vielen Einrichtungen und entsprechend vielen Arbeitsplätzen für pädagogisches Personal verfügt sie über eine gewisse Flexibilität, die sie zugunsten ihrer Mitarbeiter/innen nutzen kann. Und sie kann Anreize schaffen, die es lohnend machen, bei diesem Träger zu arbeiten und auch langfristig zu bleiben.

Einige Beispiele:

  • Befristete Verträge können auf ein Minimum reduziert und so bald wie möglich in unbefristete umgewandelt werden. Verschiebungen von Personalstunden innerhalb der Kita machen individuelle Teilzeitwünsche möglich. Über interne Stellenausschreibungen erfahren die Kolleg/innen von freien Stellen und können Versetzungswünsche äußern, ohne dass ihre Fachkraft dem Träger verlorengeht.
  • Die Mitarbeiter/innen müssen sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können. Das geht aber nur dann, wenn sie sich auch verstanden und gut aufgehoben fühlen. Flache Hierarchien und eine übersichtliche Verwaltung schaffen Klarheit und geben neuen Kolleg/innen direkt Orientierung. Durch das "Leitbild für Beschäftigte der KölnKitas gGmbH" inkl. Arbeitsplatzbeschreibung wissen alle Mitarbeiter/innen, was von ihnen erwartet wird, aber auch, was sie selbst einfordern können.
  • Ein Leitungsarbeitskreis hat Qualitätskriterien für die Probezeit neuer Kolleg/innen entwickelt. So sind in einem Zeitstrahl neben dem Einführungsgespräch weitere Feedback-Gespräche und Hospitationstermine festgelegt und für alle verbindlich. Auch der Rahmen dieser Gespräche ist definiert, so dass die Mitarbeiter/innen genau wissen, was auf sie zukommt, und jeden Schritt nachvollziehen können.
  • Jede Einrichtung der KölnKitas gGmbH hat die Aufgabe, sich mit der Konzeption und dem Profil des Trägers zu beschäftigen und diese auch als Grundlage der eigenen einrichtungsinternen Konzeption zu nutzen. Auf diese Weise können sich auch neue Kolleg/innen noch einmal intensiv mit ihrer Einrichtung und dem Träger auseinandersetzen.
  • Gemeinsame Trägerveranstaltungen, jährliche Betriebsversammlungen und themenbezogene Arbeitskreise bieten neuen ebenso wie erfahrenen Fachkräften die Möglichkeit zum fachlichen Austausch. Das fördert das Wir-Gefühl, und die Beschäftigten identifizieren sich schneller und stärker mit ihrem Arbeitgeber.
  • Fort- und Weiterbildung werden von der KölnKitas gGmbH durch ein hauseigenes Fortbildungsprogramm und auch durch finanzielle Unterstützung gefördert.
  • Durch gute Anleitung und Unterstützung können Praktikant/innen als neue Mitarbeiter/innen gewonnen werden. Das beinhaltet auch eine gute Zusammenarbeit und regelmäßigen Austausch mit den Fachschulen für Sozialpädagogik.
  • Öffentlichkeitsarbeit des Trägers und der einzelnen Einrichtungen vor Ort macht interessierte Fachkräfte aufmerksam. Dazu gehören Pressemitteilungen über Aktionen der Kitas auf lokaler Ebene, Veröffentlichungen zu Themen der Pädagogik in der Fachpresse, eine gute Vernetzung im Stadtteil und aktive Gemeinwesenarbeit.

Was kann ich als Leitung tun?

Besonders wichtig ist eine gute Teampflege. Deshalb sollte die Leitung immer ein offenes Ohr für fachliche und persönliche Anliegen haben. Meine Bürotür steht fast immer offen, damit die Kolleg/innen mich jederzeit sehen und ansprechen können. Darüber hinaus führen wir regelmäßig Mitarbeitergespräche. Die Termine sind schon Wochen vorher bekannt, damit sich auch alle angemessen darauf vorbereiten können.

Auch Einladungen in die Gruppenteams nehme ich gerne an. Ebenso führe ich regelmäßig Gespräche mit den Teams, um Fragen zu beantworten und Stimmungen schneller mitzubekommen - vor allem dann, wenn neue Kolleg/innen angefangen haben. Auch offene Feedback-Runden in der Dienstbesprechung gehören bei uns zur Tagesordnung und dienen der Weiterentwicklung des Teams.

Als Leitung ist es mir wichtig, auch als Mensch und Vorbild wahrgenommen zu werden. Das schaffe ich nicht, wenn ich immer im Büro bin und nie als Pädagogin gesehen werde. Daher bin ich regelmäßig in den Gruppen und habe feste pädagogische Aufgaben und Dienste. Dadurch bekomme ich viel mehr aus den Teams und ihrem pädagogischen Alltag mit und bleibe so in gutem Kontakt mit Kolleg/innen, Kindern und Eltern.

Das alles kostet zwar viel Zeit und Engagement, aber es raubt weit mehr Zeit und Nerven, ständig neue Mitarbeiter/innen einzuarbeiten und Unzufriedenheiten im Team aufzufangen.

Was kann das Team tun?

Gemeinsam mit der Kita-Leitung kann auch das Team viel dazu beitragen, Fachkräfte zu binden. So haben wir in unserer Einrichtung einen "Wegweiser für neue Kolleg/innen" entwickelt. Denn wir haben uns gefragt, welche Fragen, Sorgen und Ängste neue Mitarbeiter/innen haben und wie wir ihnen als Team den Einstieg erleichtern können. Der Wegweiser gibt praktische Tipps zu den Gepflogenheiten im Haus, erklärt immer wiederkehrende Abläufe (Dienste, Teamsitzungen u.ä.) und enthält die Telefonliste mit Namen und Rufnummern aller Beschäftigten.

Mit einer besonderen Dienstbesprechung heißen wir alle neuen Kolleg/innen in unserer Einrichtung herzlich willkommen. Bewährt haben sich auch Patenschaften zwischen alten und neuen Mitarbeiter/innen. Für die "Alten" ist es eine Bestätigung der eigenen Fachlichkeit, diese verantwortungsvolle Aufgabe übertragen zu bekommen. Und die "Neuen" wissen sofort, an wen sie sich wenden können, wenn sie nicht direkt Kontakt zur Leitung aufnehmen wollen.

Die Gruppenleitungen und Zweitkräfte der Kita treffen sich regelmäßig, bereiten die pädagogische Arbeit gemeinsam vor, besprechen Fragen oder Probleme, beraten und helfen sich gegenseitig.

Auch über die Kita hinaus haben wir die Möglichkeit, uns als Team Unterstützung durch die Fachbereichsleitung der KölnKitas gGmbH zu holen oder Supervision für das gesamte Team zu beantragen.

Nicht zuletzt können ganz banale Dinge das Zusammenwachsen und den Zusammenhalt fördern und verstärken, etwa gemeinsame Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern, kleine Geburtstagsgeschenke oder einfach mal zusammen ein Eis essen oder während der Dienstbesprechung spazierengehen.

Fazit

Es herrscht Fachkräftemangel. Umso mehr müssen Träger, Leitungen und Teams von Kindertagesstätten nach Lösungen suchen, um diesem Problem zu begegnen. Sie alle müssen mitarbeiterorientierter und auch familienfreundlicher denken, um Fachkräfte zu finden und auch zu binden. Nur so lassen sich personelle Lücken dauerhaft schließen. Trotz allem muss sich aber auch die Politik gründlich mit dem Thema befassen. Es kann keine Lösung sein, Menschen ohne Arbeit im Schnellverfahren zu Erzieher/innen umzuschulen. Erzieher/in zu sein ist eine Haltung, die man mitbringen muss. Und nicht zuletzt muss das Berufsbild "Erzieher/in" durch bessere Rahmenbedingungen und eine bessere Bezahlung positiver gestaltet werden. Dann entscheiden sich vielleicht auch mehr Frauen und Männer, diesen tollen Beruf zu ergreifen.