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Grundlagen der Elternkommunikation

Das Stichwort „Elternkommunikation“ bezieht sich sowohl auf die Kommunikation zwischen den Eltern als auch auf die Kommunikation der pädagogischen Fachkräfte mit den Eltern. Eltern prägen in ihren Familien familienspezifische Kommunikationsstile. Selbstbewusste Eltern ermutigen ihre Kinder zu selbstständigem Handeln, miteinander zu kooperieren und „falschen“ Autoritäten gegenüber skeptisch zu bleiben (Stärkung des Selbstwertes). Selbstwert lässt sich als Fähigkeit verstehen, sich selbst wertzuschätzen und mit Würde, Liebe und Realismus zu behandeln“ (Plate 2013, S. 34).

 

Elterngespräch in der Kita

© contrastwerkstatt

Zu einer professionellen Kommunikation gehören Wertschätzung, Respekt, Achtsamkeit im Umgang mit sich selber und dem Anderen, Integrität im Denken und Handeln sowie Authentizität. Authentizität hilft, die eigene Unabhängigkeit zu bewahren und emotionalen Abstand zu den bei Eltern- und Familiengesprächen mitschwingenden Beziehungsdynamiken zu wahren (Schulz 2012).

Zur professionellen Kommunikation gehört auch die Kenntnis verschiedener Kommunikationsebenen. Botschaften lassen sich von verschiedenen Aspekten aus betrachten (Schulz von Thun 2013, S. 14 f.):

  • dem Sachinhalt (über welche Themen reden wir?)
  • der Beziehungsebene (wie stehen wir zueinander?),
  • der Selbstoffenbarung (was vermittle ich im Gespräch über mich selber?) und
  • dem Appellationscharakter einer Äußerung („Ich bitte Sie ...“).

Zur Professionalität der pädagogischen Fachkräfte gehört die Reflexion der dem eigenen Handeln zugrunde liegenden Motive. Reflektiert wird die Wirkung des Auftretens (sozial kompetentes Verhalten ) auf die Eltern. Neben der Fähigkeit zur Empathie sind Klarheit im Denken, im Handeln und in der verwendeten Sprache notwendige Bestandteile einer professionellen Gesprächsführung, sowie die Bereitschaft, das Elterngespräch durchgehend zu strukturieren. Dies gilt insbesondere für Momente, in denen die Eltern sich anschicken, die Gesprächsführung zu übernehmen und mit ihrer eigenen Dynamik die professionelle Strukturierung des Elterngespräches zu überlagern. Hier gilt es, Emotionen geschickt aufzufangen und die Eltern zur Selbstreflexion anzuregen (Steuerungsfunktion ). Eine professionelle Gesprächskultur bietet ein gutes soziales Modell für verbindliche sach- und beziehungsorientierte Elterngespräche und kann so auch in die Beziehungskultur der Familien hineinwirken.

Kooperation mit den Eltern

Ein differenziertes Verständnis der pädagogischen Fachkräfte über die pädagogischen Fähigkeiten der Eltern und die Beziehungsstruktur der Familie erleichtert die Kooperation mit den Eltern. Voraussetzung für eine partnerschaftliche Kooperation ist eine gegenseitige Anerkennung. Elterliche und öffentliche Erziehungsformen werden als gleichwertig und gleichberechtigt angesehen. Dies ist jedoch ein Idealfall, den es immer wieder zu überprüfen gilt. Neben der den Eltern obliegenden dienenden Verpflichtung, das Wohl der Kinder zu fördern, existiert der Auftrag der öffentlichen Erziehung. Beide Erziehungsformen können einander sinnvoll ergänzen. Eine gute Kooperation zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften hängt auch davon ab, inwieweit es gelingt, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte offen miteinander über die wechselseitigen Erwartungen reden. Eltern sehen den Aufenthalt ihrer Kinder in der Kita durchaus als Möglichkeit, den Tag ungestört in der Welt der Erwachsenen zu leben und von den elterlichen Aufgaben zeitweilig entpflichtet zu sein.

Pädagogischen Fachkräften mag es zunächst genügen, Informationen an die Eltern weiterzuleiten sowie jährliche Entwicklungsgespräche mit zumindest einem Elternteil und Jahresfeste zu führen, um der angestrebten Erziehungspartnerschaft nachzukommen. Darüber hinaus bleiben die Lebenswelt der Familie und die Lebenswelt der Kita getrennte Welten. Eine echte Erziehungspartnerschaft setzt jedoch voraus, dass die Eltern das Konzept der Kita und dessen Umsetzung kennen, verstehen und mittragen. Zudem ist es wichtig, dass pädagogische Fachkräfte die Beziehungskultur zwischen Eltern und ihren Kindern verstehen und eigenständig bewerten. Eine intensive Kontaktpflege zwischen Eltern und den pädagogischen Fachkräften, gemeinsame Absprachen, wechselseitige Informationen sichern die Kontinuität der Erziehung der Kinder.

Die Vorstellungen der Eltern und der Erzieherinnen über eine gute Erziehung können aber auch völlig konträr sein und zu dauerhaften Spannungen führen. Manche Eltern kränkt es, wenn sie merken, dass pädagogische Fachkräfte ihre elterlichen Kompetenzen kritisch betrachten. Insbesondere bei Familien, die einem anderen Kulturkreis entspringen, kann es lange dauern, bis beide Seiten zu einem tieferen Verständnis füreinander finden und die Bedeutung kulturspezifischer Handlungen begreifen und wertschätzen können. Ein Gefühl der Fremdheit und der Scheu entsteht manchmal auch, wenn der Bildungshorizont und soziale Status der Eltern weitaus höher als der der pädagogischen Fachkräfte ist und die pädagogischen Fachkräfte sich nicht trauen, auf ihre fachliche und soziale Kompetenz in ihrem Fachbereich zu vertrauen.

Steuerung des Elterngespräches

Die aktive Steuerung des Elterngespräches ist ein grundlegender Bestandteil eines professionell geführten Elterngesprächs. Diese Steuerung kann auch als Einladung an die Eltern verstanden werden, den Raum der Kita in besonderer Weise kennenzulernen. Die Steuerung beginnt mit der Wahl der Räumlichkeiten. Ein schön eingerichteter Raum lädt dazu ein, Abstand von den Erfordernissen des Alltags zu nehmen und ein ruhiges, vielleicht sogar entspannendes Gespräch zu miteinander zu führen.

Ein heller abgeschlossener Raum

Ein heller und freundlicher Raum mit einer klaren und übersichtlichen Struktur unterscheidet sich nicht selten von der Raumgestaltung, welche die Eltern gewohnt sind. Ein klar strukturierter Raum unterstreicht die Bedeutsamkeit des Elterngespräches und kann bei den Eltern ein bewusst reflektierendes Verhalten hervorrufen. Freundliche helle Möbel und Blumen können für eine Atmosphäre sorgen, bei der die Eltern sich wohlfühlen. Eine gute Atmosphäre erhöht die Motivation, sich auf das Gespräch einzulassen und zu einem guten Ende zu gelangen.

Reden und Denken erfordert Platz. Leere Tische und bequeme Stühle helfen, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Ein schön eingerichteter Raum lädt zudem dazu ein, Abstand von den Erfordernissen des Alltags zu nehmen. Für das gute Gelingen des Elterngespräches ist es förderlich, wenn die pädagogische Fachkraft sich einen Platz sucht, an dem sie sich sicher fühlen kann.

Zurückhaltung aus Höflichkeit und Zuvorkommenheit der pädagogischen Fachkraft kann dazu führen, dass sich Eltern einen für sie guten Platz aussuchen und die Auffassung hegen, dass ausschließlich sie als Eltern den Verlauf des Elterngespräches bestimmen könnten. Eltern und pädagogische Fachkraft beobachten und bewerten einander während des gesamten Gesprächs. Jede Handlung der pädagogischen Fachkraft hat einen Einfluss darauf, wie sie von den Eltern wahrgenommen wird und ob die Eltern bereit sind, ihr die erforderliche fachliche und menschliche Autorität zubilligen (Beziehungsebene ).

Themen und Ziele des Elterngespräches

Eine der ersten Interventionen der pädagogischen Fachkraft ist es, mit den Eltern einen Konsens über Themen und Ziele des Gespräches herzustellen. Es ist hilfreich, die Eltern aufzufordern, eigene Ziele zu benennen und diese zum besseren Verständnis mit eigenen Worten zusammenzufassen. Oft ist wirkliche Klarheit erst nach mehrfachen Nachfragen zu erlangen.

Neben den sachlich gebotenen und offen benannten Zielen (z.B. Entwicklungsstand des Kindes) existieren nicht selten auch unausgesprochene Themen, die das Elterngespräch beeinträchtigen können. Es obliegt der Verantwortung der pädagogischen Fachkraft mithilfe der ihr zu Verfügung stehenden Methoden (Paraphrasieren, Spiegeln emotionaler Inhalte, Ideen säen, Rückmeldungen geben, aktives Zuhören, Ideen und Gedanken veranschaulichen, Fragen zu den Beziehungen in der Familie stellen, Empathie für das Verhalten der Eltern zeigen, Stärken und Ermutigen) emotional mitschwingende Themen offen anzusprechen und ihnen dadurch eine Sprache zu geben (Schulz 2014). „Ich habe den Eindruck, dass sie auch sehr sauer auf Ihr Kind sein können und sich nicht trauen, dies im Gespräch hier offen zu äußern. Vielleicht denken Sie, dass Sie als gute Eltern nicht auch mal sauer sein dürfen. Vielleicht hegen Sie auch die Befürchtung, dass ich schlecht über Sie als Eltern denken könnte, wenn Sie zeigen würden, dass Sie auch mal sauer auf Ihr Kind sind. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn ich einmal beschreibe, wie ich mich sehr über Ihr Kind N. geärgert habe und wie N. und ich dann später damit umgegangen sind.“  Die Selbstoffenbarung am Schluss kann auch als Ermutigung für die Eltern angesehen werden, offen und vertrauensvoll über alle Gefühle zu sprechen, die in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern entstehen können (Schulz 2012). Das offene Ansprechen dient hier als Türöffner für eventuell bestehende Unstimmigkeiten, ermutigt zur berechtigten Kritik und weist den Weg dahin, dass miteinander zu reden ein guter Weg zu wechselseitig tieferem Verstehen und Verständnis sein kann. Bleibt die pädagogische Fachkraft bei ihrem Verständnis von guter Gesprächsführung, kann ihr Vorgehen als Modell für die Eltern dienen, die Ressource „offenes Ansprechen von Gefühlen und Eindrücken“ in Zukunft in ihr Kommunikationsmuster einzubinden. Mit dem offenen Aussprechen zeigt die pädagogische Fachkraft ihre Bereitschaft, die Familie wirklich verstehen zu wollen und wertzuschätzen.

Einengen unerwünschter Themen

Es obliegt der Verantwortung der pädagogischen Fachkraft, destruktive Formen der Kommunikation während des Elterngesprächs einzudämmen und in konstruktive Bahnen zu lenken. Die emotionale Selbstdarstellung der Eltern („Sehen Sie, so streiten wir. Ist das nicht schrecklich? So geht es zuhause immer wieder. Unsere Kleine kriegt das alles mit. Was sagen Sie dazu als pädagogische Fachkraft?“ ) darf nicht als Aufforderung angesehen werden, auf die Beziehungsdynamik der Eltern einzugehen, sondern das Paar wieder ihre Verantwortung als Eltern zu erinnern. „Sie haben mir eben gezeigt, wie heftig Sie streiten können. Haben Sie eine Idee, was Sie als Eltern tun können, um Ihre Tochter, die ja schon vor Angst geweint hat, in solchen Momenten zu schützen, wenn Sie es in Ihrer Beziehung als Paar entschieden haben, miteinander zu streiten?“  Diese Rückmeldung ist verbunden mit einer Anregung zur Selbstreflexion und enthält einen Hinweis auf die Verantwortung zur Selbststeuerung als erwachsene Menschen und einen Appell, die Verantwortung als Eltern nicht aus den Augen zu verlieren.

Fazit

In der abschließenden Zusammenfassung werden die gemeinsam erarbeiteten Ziele und Vereinbarungen hervorgehoben (Sachinhalte ) und die Qualität des Gespräches reflektiert (Beziehungsaspekt ). Wenn ärgerliche Eltern den Mut gefunden haben, auch einmal etwas positives über ihr Kind zu äußern, kann dieser Ansatz gefördert werden, indem dies zum Ende des Gespräches lobend erwähnt wird, verbunden mit dem Wunsch, auch zuhause einmal zu schauen, ob es an dem Kind nichts auch Anerkennenswertes zu entdecken sei. Die pädagogische Fachkraft überschreitet damit nicht ihre Kompetenz, sondern bereitet dem Elterngespräch eine vertrauensvolle Basis, wenn sie zeigt, was sie wahrnimmt und worüber sie bereit ist, mit den Eltern zu reden.

Literatur:

Plate, M. (2013): Grundlangen der Kommunikation. Gespräche effektiv gestalten. Vandenhoeck/Ruprecht. Göttingen.

Schulz, A. (2011): Elterngespräch: so gewinnen Sie das Gespür für unbewusste Familiendynamiken. KiTa aktuell, ND 4/2011, S. 86 – 88.

Schulz, A. (2012): Erfolgreich Elterngespräche gestalten. Professionelle Gesprächsführung für pädagogische Fachkräfte. Carl Link. Kronach.

Schulz, A. (2014): Unausgesprochene Beziehungsbotschaften in Sprache kleiden. KiTa aktuell spezial, Heft 3, S. 30 – 33.

Schulz von Thun, F. (2013): Miteinander reden. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Rowohlt. Reinbek bei Hamburg.