zurück nach oben

Kita-Räume umgestalten

Ihre Traum-Kita bekommen Pädagoginnen und Pädagogen dann, wenn sie ihre Raum-Vorstellungen nachvollziehbar formulieren und gegenüber Planerinnen sowie Planern gut vertreten können. Diese Erfahrung machte Architekt Theo Härtner von Häuser für Kinder aus Stuttgart. Er animiert Kita-Teams dazu, eigene Raum-Visionen zu entwickeln und damit den Planungs-Fachleuten Leitlinien an die Hand zu geben.

Umgestaltung Kita-Räume

© fotolia.com photocrew

Irgendwann kommen der schönste Kita-Bau und die beste Ausstattung in die Jahre und Veränderungen stehen an. Gibt der Träger grünes Licht, sind Kita-Leitung und -Team gefragt zu überlegen: „Wie stellen wir uns unserer Gebäude idealerweise vor? Wie sollen die Räume künftig aussehen?“. Architekt Theo Härtner, Geschäftsführer der Häuser für Kinder GmbH, die auf Bau, Umbau und Ausstattung von Kindertagesstätten spezialisiert ist, rät Kita-Teams, sich für die Beantwortung dieser Fragen ausreichend Zeit zu nehmen. „Das lohnt sich. Denn wer gut darstellen kann, worauf es bei der Neugestaltung ankommt, wird mit einer Kita belohnt, deren Räume die eigene pädagogische Arbeit optimal unterstützen“, sagt der Fachmann.

Antworten finden: eine Herausforderung

Pädagoginnen und Pädagogen fällt die Beantwortung der Frage, wie die Räume denn in Zukunft aussehen sollen, jedoch in der Regel nicht leicht. Den meisten Bauherrinnen und Bauherren geht das so. Das verwundert nicht, denn plötzlich steht etwas zur Disposition, das sonst immer einfach gegeben ist. Die Aufgabe ist komplex und die Fantasie reicht oft nicht aus, um sich vorzustellen, wie es sich auswirkt, wenn der bauliche Rahmen oder die Ausstattung verändert werden.

Partizipation: Alle Nutzerinnen und Nutzer einbeziehen

Neben den Erzieherinnen und Erziehern nutzen vor allem die Kinder, aber auch die Eltern die Kita-Räume. Es ist daher sinnvoll und im Sinne einer partizipativen Pädagogik sogar gefordert, auch diese Gruppen in die Ideensammlung und Entscheidungsfindung bei der Neugestaltung der Räumlichkeiten mit einzubinden. Die Mädchen und Jungen können genauso wie die Pädagoginnen und Pädagogen Wunschbilder ihrer „Spielräume“ malen und basteln. Die Eltern haben sicherlich Anregungen für das Ambiente, dass sie sich in Bring- und Abholsituationen oder bei Elterngesprächen und -abenden wünschen.

Wichtig ist, alle Ideen ernst zu nehmen, sie zu diskutieren und daraus gemeinsam eine „Linie“ zu entwickeln. In Gesprächen mit den Baufachleuten könnten Vertreterinnen und Vertreter der Kinder und Eltern deren Sichtweisen mit einbringen.

Traum-Kita-Räume zeichnen, basteln, bauen

Theo Härtner regt Kita-Teams an, Raum-Visionen für die Kita-Arbeit zu entwickeln. Dabei können Erzieherinnen und Erzieher die Kreativität, die sie häufig mitbringen, gut nutzen. „Sie stellen sich unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeit vor und basteln Räume, in denen sie sie gerne umsetzen würden. Sie fertigen Zeichnungen bzw. Collagen an oder bauen Papiermodelle ihrer idealen Umgebung. Die realen Gegebenheiten, wie vorhandene Räume, das zur Verfügung stehende Budget oder die technische Realisierbarkeit, bleiben dabei außer Acht“, erklärt der Architekt. Fast automatisch ergibt sich bei der Diskussion der Vorschläge die Frage nach dem Zusammenspiel von pädagogischer Konzeption und Raumgestaltung. Ließen sich gewisse Aspekte der pädagogischen Arbeit eventuell besser umsetzen, wenn die Raumaufteilung, -nutzung oder -gestaltung anders wäre? Wenn die Kita ganz neue Raumerfahrungen ermöglichte? Spannende Fragen. Aus ihrer Beantwortung kann sich eine Prioritätensetzung ergeben: Je relevanter eine Idee für die Realisierung der pädagogischen Konzeption ist, desto wichtiger ist ihre Umsetzung.

Visionäre Ideen vermitteln Botschaften

Sicherlich lässt sich nicht jede visionäre Idee praktisch verwirklichen. Ein Kita-Innenraum wird sich zum Beispiel schwerlich in einen Palmenstrand verwandeln lassen. Daher ist es wichtig, zu überlegen, was das erträumte Ambiente für Vorteile bietet. Es lässt zum Beispiel viel Platz zum Toben, der Boden ist weich und gestaltbar, die Atmosphäre behaglich, die Temperaturen sind angenehm, alle können barfuß laufen, es kann nichts kaputt gehen. Welche dieser Aspekte sind dem Team besonders wichtig und welche Möglichkeiten gibt es, sie in eine realisierbare Raumgestaltung zu übersetzen?

Wie machen es andere?

„Erfahrungsgemäß ist es hilfreich, andere Kindertagesstätten zu besuchen, sich von deren Innenräumen inspirieren zu lassen und Anregungen mitzunehmen“, sagt Theo Härtner. „Dabei ist es sinnvoll, Kitas auszuwählen, die ein vergleichbares pädagogisches Konzept verfolgen und die viel Wert auf eine Raumgestaltung legen, die ihre Arbeit unterstützt“.

Eigene Wünsche vertreten

Den Kita-Leitungen bzw. -Teams gelingt es anschließend in der Regel, ihre Wünsche für die eigene Kita gut zu benennen und sie im Dialog mit Architektinnen und Architekten weiter zu konkretisieren. „Wir merken den Unterschied“, berichtet Theo Härtner. „Die Pädagoginnen und Pädagogen haben durch diesen Prozess einen ganzheitlichen Blick auf die Umgestaltung ihrer Kita gewonnen. Sie wissen, welche Ziele sie mit der Veränderung verfolgen. Sie können aufzählen, was Eingangsbereich, Funktions-, Gruppen-, Sanitär- und Personalräume leisten sollen und welche Atmosphäre sie sich dort wünschen. Durch unsere Fachkenntnis und Erfahrung gelingt es uns, diese Wünsche Gestalt annehmen zu lassen“.

Expertise der Bau-Fachleute nutzen

Denn die Bau-Fachleute wissen, wie sie mit Farbe, Licht und Material eine bestimmte Atmosphäre schaffen. Oder sie machen Räume zum Beispiel durch Podeste mit Auszug, Faltwände, Vorhänge oder mobilem Mobiliar flexibel nutzbar und realisieren so auch auf einer beschränkten Fläche unterschiedliche Anforderungen. Außerdem erarbeiten sie Lösungen für konkrete Alltagherausforderungen – beispielsweise, um der Unübersichtlichkeit zu begegnen, die in vollgehängten Garderoben entsteht. „Wir entwerfen in solchen Fällen vielfach maßgeschneidertes Mobiliar: dann gibt es zum Beispiel hinter den Sitzbänkchen so viel Platz, dass die Matschhosen, die am Harken hängen, dahinter verschwinden, statt den Sitzbereich vorne zu bedecken“, erklärt Theo Härtner. Aus vielen solcher Lösungen entstand bereits eine eigene Möbellinie.

Mit kleinem Budget große Wirkung erzielen

In manchen Fällen steht für die Kita-Umgestaltung nur ein sehr beschränktes Budget zur Verfügung. Das sei jedoch kein Grund, von Beginn an „klein“ zu denken. „Es ist in jedem Fall wichtig, den großen konzeptionellen Bogen aufzuspannen. Nur so gelingt es, die beschränkten Mittel optimal einzusetzen und eine Veränderung zu bewirken, die im Alltag positiv spürbar ist“, erklärt Theo Härtner und berichtet von einem Kinderhaus, dass einen Wettbewerb unter Studierenden auslobte, um damit quasi zum Null-Tarif innovative Ideen für die Umgestaltung zweier miteinander verbundener Kita-Räume zu erhalten. Dass einer der Vorschläge sehr genau ihren Vorstellungen entsprach und anschließend umgesetzt wurde, hatte das Team auch der genauen Beschreibung seiner Erwartungen an das Raum-Duo zu verdanken.

Tipp: beharrlich bleiben

Für die Gespräche mit den Planerinnen, Planern sowie Behörden gibt Theo Härtner den Pädagoginnen, Pädagogen und Trägerverantwortlichen einen wichtigen Hinweis: „Geben Sie sich nicht zu schnell mit Kompromissen zufrieden! Ist Ihnen ein Aspekt wirklich wichtig, dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Wenn Sie Ihre Raumvorstellungen pädagogisch plausibel begründen können, haben Sie gute Chancen, Widerstände zu überwinden“.

Fazit

Kita-Räume optimal zu gestalten, ist nicht allein Aufgabe von Architektinnen und Architekten. Nur wenn die Nutzerinnen und Nutzer verständlich formulieren, welche Erwartungen sie an die Räume haben, können die Bau-Fachleute ihren Vorstellungen gerecht werden. Häuser-für-Kinder-Geschäftsführer Theo Härtner schlägt Kita-Teams vor, in einem Workshop eine gemeinsame Raum-Vision zu entwickeln und dabei – unabhängig von bestehenden Räumen und Vorgaben – die Frage zu beantworten, welche Raumaufteilung und welche Ausstattung die pädagogische Arbeit am besten unterstützen würde. Besuche in anderen Kitas können anschließend Impulsgeber für eigene Gestaltungsideen sein. Damit entwickelt das Team Leitlinien für die architektonische Umsetzung, die alle Beteiligten im Dialog konkretisieren und an denen sich der Planungsprozess ausrichten kann. Der Zeiteinsatz macht sich für die Pädagoginnen und Pädagogen bezahlt. Sie erhalten Kita-Räume, in denen sie gerne und gut arbeiten.

Linktipp:

Häuser für Kinder GmbH: www.haeuserfuerkinder.de