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Pädagogische Fachkräfte als Unterstützung bei Übergängen in die Kita

Der Übergang von der häuslichen Betreuung in frühkindliche Bildungsinstitutionen ist heutzutage längst nicht mehr nur eine Herausforderung für das Kleinkind, sondern gleichermaßen auch für seine Eltern. Erzieher/innen und Pädagogen/innen müssen sich daher immer wieder stetig wachsenden Herausforderungen bei der Eingewöhnung des Kleinkindes in den Kindergartenalltag stellen.

Der Kita-Einstieg muss richtig begleitet werden. © nd3000/ Adobe Stock

Den Kita-Einstieg richtig begleiten. © nd3000/ Adobe Stock

Heute ist Hannahs erster Eingewöhnungstag in der Kita Purzelbaum. In Begleitung ihrer Eltern trifft sie in der Zwergengruppe auf die pädagogische Leitung der Einrichtung. Nicht nur für das junge Mädchen, sondern auch für ihre Mutter und ihren Vater ist der Übergang von der familiären in die institutionelle Betreuung eine sehr emotionale Situation. Die Trennung vom eigenen Kind und die Verantwortungsabgabe auf Dritte stellt für einen Großteil der Eltern eine schwierige Phase dar.

Eine besondere Bedeutung kommt daher den Pädagoginnen und Pädagogen in den Einrichtungen zu. Im Kita-Alltag fungieren sie als Bindungs- und Vertrauenspersonen, die dem Kleinkind einen gesunden und guten Start in diesen neuen Lebensabschnitt ermöglichen sollen.

Doch was genau muss eine Fachkraft in der Kindertageseinrichtung mitbringen und welche Fähigkeiten und Skills können sowohl dem Kleinkind als auch seiner Familie in der Eingewöhnungsphase helfen?

Zunächst sei festzuhalten, dass der junge Mensch von Geburt an über eine Vielzahl an Selbstgestaltungskompetenzen verfügt und daher aktiv in alltägliche Geschehnisse und Entscheidungen eingebunden werden sollte. In den ersten Lebensjahren sind Jungen und Mädchen jedoch noch in besonderem Maße auf die Unterstützung, Versorgung und Pflege durch ihre Bezugspersonen angewiesen. Eltern gewähren ihrem Kleinkind den nötigen Schutz, schenken Geborgenheit, ziehen es auf und stärken es für sein weiteres Leben.

Entwicklungsprozesse verlaufen insbesondere dann erfolgreich, wenn ein glatter Übergang zwischen den Systemen des Kindes (z.B. von der Betreuung im familiären Umfeld in eine Kindertageseinrichtung) stattfindet. Der Übergang von der Erziehung und Versorgung im familiären Raum hin zu der Betreuung in einer Kindertagesstätte ist als ein Prozess zu verstehen, der neue Strukturen bietet und gleichermaßen Anforderungen an Betroffene stellt.

Heutzutage müssen sich Kleinkinder immer früher Rollenerwartungen und Leistungsansprüchen der Gesellschaft stellen und lernen mit diesen umzugehen (vgl. Fröhlich-Gildhoff 2013, S. 39). Je nach persönlichen Ressourcen und Kompetenzen kommt der Mensch mit diesen Übergängen jedoch besser oder schlechter klar. So können innerfamiliäre Schwierigkeiten und Belastungen den Anpassungsprozess des Kleinkindes erschweren.

Bindung und Kommunikation als zentraler Schlüssel zum Erfolg

Die Vermittlung von Trost, Sicherheit, Schutz und Nähe zeichnen eine gute Bindungsperson aus. Durch die Befriedigung des Bedürfnisses erleben Kinder andere Menschen als unterstützend und vertrauenswürdig (vgl. Schär/Steinebach 2015, S. 28). Die Bezugs- und Vertrauenspersonen sind dazu angehalten, gemeinsam mit dem Kind eine förderliche, anregende und abwechslungsreiche Umwelt zu schaffen. Nur so kann es lernen, Verantwortung für sich und sein Tun zu übernehmen.

Rollenfunktionen klären und beide Parteien an die Hand nehmen

Durch die Doppelfunktion der Erziehungsberechtigten, die sich einerseits in der Rolle der aktiv bewältigenden Person und andererseits in der Rolle der unterstützenden Ressource für ihr Kind befinden, entsteht für sie jedoch gleichermaßen eine Mehrfachbelastung (vgl. Fröhlich-Gildhoff 2013, S. 38). Auf der einen Seite soll die Familie den jungen Menschen an die Hand nehmen und als Unterstützung dienen. Auf der anderen Seite sind Eltern jedoch auch selbst als teilnehmende Akteure bei der Bewältigung dieser Übergänge zu betrachten. »Entsprechend sind bei der Konzeption der pädagogischen Arbeit beide Aspekte elterlichen Handelns und Verhaltens, nämlich der des Bewältigens und der des Einflussnehmens auf die Übergangsbewältigung des Kindes, zu berücksichtigen« (Griebel/Niesel 2004, S. 61).

Für Kleinkinder ist es wiederum eine große Herausforderung, Beziehungen zu neuen und fremden Personen aufzubauen. Schon im Fokus von John Bowlbys Bindungstheorie steht die These, dass die Nähe zu einer vertrauten Person ein angeborenes Bedürfnis des jungen Menschen ist (vgl. Stadler/Bolten 2015, S. 43). Systemübergänge sind daher – insbesondere für jüngere Kinder – aufregend und zeitintensiv. Der Prozess der Ablösung und Trennung von ihren Eltern gestaltet sich oftmals als belastend und emotional.

Das Bild der Familie hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Es ist inzwischen üblich, dass Mütter und Väter nach nur einem Jahr Elternzeit wieder ihre Berufstätigkeit aufnehmen. Kinder kommen demzufolge immer früher mit unterschiedlichen Formen der Betreuung in Kontakt.

Die Moderation und Begleitung durch eine Fachkraft ist demzufolge sinnvoll und hilfreich. Erzieher/innen und Pädagogen/Pädagoginnen können als Vermittler zwischen der Familie und den unterschiedlichen Systemen eine Brücke schlagen.

Die Schwierigkeit besteht darin, beide Parteien an die Hand zu nehmen und die Bedürfnisse und Sorgen aller gleichermaßen zu berücksichtigen.

Eltern sollen dafür sensibilisiert werden, dass das Verhalten des Kindes und eventuell bestehende Verhaltensprobleme in einer engen Wechselwirkung mit ihrem persönlichen Auftreten und Erscheinen stehen (vgl. Stadler/Bolten 2015, S. 48).

Das Kind steht im Mittelpunkt

Es müssen immer wieder Gespräche in den Eingewöhnungsphasen stattfinden, damit die pädagogische Fachkraft als »neue« Bindungsperson das Vertrauen des Kindes gewinnen und Schlussfolgerungen für die Länge und Dauer der Eingewöhnung ziehen kann. Dabei ist zu beachten, dass jeder Neuling in der Einrichtung individuell betrachtet werden muss. Jedes Kind bestimmt das Tempo des Übergangs selbst. Dabei stehen sein Wohlbefinden und seine Bedürfnisse an erster Stelle.

Erzieher/innen und Pädagogen/Pädagoginnen sind dazu angehalten, die Interaktionen zwischen Kind und Eltern zu beobachten und zu reflektieren. Väter und Mütter können in dieser Zeit einen guten Einblick in den Alltag der Tagesstätte erhalten und die Abläufe vor Ort selbst kennenlernen.

Eine konstante Verfügbarkeit der Fachkraft ist essenziell bedeutsam für eine gelingende Eingewöhnungsphase. Das Kleinkind muss in dieser schwierigen Phase und dem damit verbundenen Ablöseprozess von seinen Eltern Sicherheit erfahren, um die neue Umgebung, die unbekannten Menschen, die Abläufe, Rituale und Regeln in aller Ruhe kennenzulernen.

Fazit

Erzieher/innen und Pädagogen/Pädagoginnen übernehmen eine wichtige Rolle und Funktion in der Eingewöhnungsphase des Kindes in die Tagesstätte. Dabei ist es nicht nur der junge Mensch, zu dem sie eine feinfühlige und sichere Bindung aufbauen müssen. Im Rahmen des Eingewöhnungsprozesses gilt es gleichermaßen, den Eltern Sorgen und Ängste zu nehmen und sie in ihrer Rolle als vertrauensvolle und schützende Person für das Kleinkind zu schulen. Der Übergang von der familiären in die institutionelle Betreuung stellt eine neue und belastende Situation für die ganze Familie dar. Um diesen Wechsel für alle beteiligten Personen so erfolgreich wie möglich zu gestalten, braucht es geschultes Personal, das auch in schwierigen Situationen wertschätzend und unterstützend passgenaue Hilfe anbieten kann. Eine erfolgreiche Kooperation und Abstimmung mit den Erziehungsberechtigten ist ausschlaggebend für den weiteren Lebensverlauf des Kindes, weil sowohl Mutter und Vater als auch die pädagogischen Fachkräfte gemeinsam Verantwortung für das gedeihliche Wohl des jungen Kindes tragen.

Literatur

Fröhlich-Gildhoff, K. (2013): Angewandte Entwicklungspsychologie in der Kindheit. Begleiten, Unterstützen und Fördern in Familie, Kita und Grundschule. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Griebel, W.; Niesel, R. (2004): Transitionen. Fähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern, Veränderungen erfolgreich bewältigen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

Stadler, C.; Bolten, M. (2015): Förderung der Beziehungs- und Bindungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen. In: Schär, M.; Steinebach C. (Hrsg.): Resilienzfördernde Psychotherapie für Kinder und Jugendliche. Grundbedürfnisse erkennen und erfüllen. Basel: Beltz Verlag, S. 43–52.

Steinebach, C. (2015): Resilienz- und Ressourcenförderung in der Kinder- und Jugendpsychotherapie. In: Schär, M.; Steinebach, C. (Hrsg.): Resilienzfördernde Psychotherapie für Kinder und Jugendliche. Grundbedürfnisse erkennen und erfüllen. Basel: Beltz Verlag, S. 98–123.