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Sechs Schritte zur Förderung der Mitarbeitergesundheit

Mit Gesundheit geht es besser - gute gesunde Kita für alle! Der Kita-Tag beginnt für Sie zeitig. In der Frühgruppe geht es heute vielstimmig laut her, wie fast immer. Sie werden in der Interaktion mit den Kindern häufig unterbrochen, Eltern wünschen sich noch eine Auskunft und möchten Ihnen noch eine wichtige Information für den Tag mitgeben. Eine Kollegin ist krank, deren Fehlen Sie abfangen und den Tag umplanen müssen, im Büro klingelt das Telefon, parallel müssten die ersten Vorbereitungen für das Frühstück beginnen... Zu viele Aufgaben und Anforderungen stürzen gleichzeitig auf Sie und Ihre Kolleginnen ein. Sie fühlen sich wie im "Hamsterrad".

Sechs Schritte zur Förderung der Mitarbeitergesundheit

© Xavier Gallego Morel

Es gibt zahlreiche solcher oder ähnlicher Situationen in einer Kita. Kommen sie jedoch gehäuft vor, wirken sie belastend, führen zu Stress, entmutigen und laugen auf Dauer aus. Und gefährden Ihre Gesundheit. Lassen Sie es nicht soweit kommen! Die alte Weisheit "Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts" trifft es nämlich genau auf den Punkt! Ihre Gesundheit ist Ihr Kapital und das Kapital Ihrer Kita. Sie ist die Basis für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit und damit auch die Voraussetzung, jedes Kind in seinen spannenden Lern- und Entwicklungsprozessen gut zu begleiten. Negativ empfundene Beanspruchungen im Arbeitsalltag sind durch Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu verringern, können aber nie ganz vermieden werden. Eine Frage rückt somit in den Mittelpunkt: "Wie bleiben Erzieherinnen und Erzieher trotz Beanspruchungen im Kita-Alltag gesund?". Ein einfaches Rezept gibt es dafür nicht. In diesem Beitrag finden Sie jedoch wichtige Informationen und Anregungen, wie der Weg zur guten gesunden Kita für Sie aussehen kann.

Gesundheitspotenziale fördern und arbeitsbedingte Gefährdungen vermeiden

Die Situation in der Frühgruppe verdeutlicht die bedeutsamsten subjektiv erlebten Beanspruchungen im Erzieherinnenberuf: Zeitdruck, Lärm, die Vielzahl an (neuen) Arbeitsaufgaben, häufige Unterbrechungen, fachliche Überforderung und körperliche Anstrengungen. In den letzten Jahren haben vor allem die psychischen Belastungen verstärkt Aufmerksamkeit erhalten. Die Bildungs- und Erziehungsarbeit mit Kindern ist sozial-interaktiv und Emotionsarbeit, das heißt, sie ist mit anspruchsvollen psycho-sozialen Anforderungen verbunden. Das Besondere hierbei: sie sind tätigkeitsimmanent. Das heißt, die Fachkraft hat wenige Möglichkeiten sich zurückzuziehen und sich von der Situation abzuwenden, auch wenn sie diese erkennbar als belastend erlebt.

Daneben berichten Erzieherinnen jedoch von einer Reihe von Potenzialen und Ressourcen für ihr Wohlbefinden, die sie in ihrem Berufsalltag erleben. Als Wichtigste werden die wahrgenommene fachliche Kompetenz sowie eine hohe Identität zum gewählten Beruf benannt. Aber auch Ressourcen wie Entscheidungsspielräume, Aufgabenvielfalt sowie Information und Beteiligung wird eine wichtige Bedeutung zugeschrieben.

Die Arbeitszusammenhänge in der Kita können sowohl als förderlich als auch als beeinträchtigend auf die Gesundheit der Mitarbeiter wirken. Viele der Ressourcen und Gefährdungen werden dabei durch die Arbeitsorganisation, die Teamkultur und die strukturellen Bedingungen in der Kita beeinflusst. Hier gilt es anzusetzen und die vorhandenen negativ erlebten Belastungsfaktoren zu minimieren und parallel die Ressourcen und Gesundheitspotenziale zu fördern!

  • Minimierung bzw. Reduzierung der Gefährdungen und negativ erlebten Belastungsfaktoren
  • Förderung von Ressourcen/Potenzialen für Zufriedenheit und Wohlbefinden

Personale Kompetenzen helfen Belastungen im Arbeitsalltag auszugleichen

Besondere Relevanz für die Gesundheit von Erzieherinnen und Erziehern besitzt - neben einem gesunden Lebensstil - die wahrgenommene fachliche Kompetenz. Das Gefühl, den pädagogischen Aufgaben gewachsen zu sein, erhöht die Selbstwirksamkeit, das Selbstwertgefühl und damit auch das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Die damit einhergehende hohe Arbeitsfreude führt dazu, dass der Umgang mit den vorhandenen Belastungen besser gelingt - und eine Balance zwischen Belastungen und Bewältigungsressourcen entsteht. Erlernte Verhaltensweisen wie eine rückenschonende Arbeitsweise, gutes Zeit- und Selbstmanagement oder der gekonnte Umgang mit Konflikten unterstützen das Wohlbefinden. Zur Entfaltung dieser personalen Gesundheitspotenziale bedarf es sowohl der Eigenverantwortung der Mitarbeiterin als auch passgenauer Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Gesundheit entsteht bei der Gestaltung des Kita-Alltages

Neben den personalen Kompetenzen sind auch die Arbeitsumgebung sowie organisatorische und soziale Bedingungen entscheidend. So bedarf es beispielsweise einer Kita-Kultur, die Potenziale berücksichtigt und Stärken der Fachkräfte fördert. Eine Kultur, in der Erzieherinnen und Erzieher Anerkennung und ein positives Arbeitsklima erfahren. Entscheidend dafür sind das Führungsverhalten der Leitung und die Unterstützung durch das Kollegium. Geeignete organisationale Maßnahmen erhöhen ebenso das Gesundheitspotenzial. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen zur Lärmreduktion, ein erwachsenengerechtes Mobiliar, angemessene Arbeits- und Pausenzeiten sowie eine bedarfsgerechte Planung des Personaleinsatzes und der Gruppengröße. Diese Maßnahmen müssen durch den Kita-Träger unterstützt werden. Beides, personale wie organisationale Aspekte in der Gestaltung des Kita-Alltages sind entscheidend dafür, dass sich eine Fachkraft in der Kita wohl fühlt und gesund bleibt.

Patentrezepte gibt es nicht - aber Hilfe für Ihren Weg

Nicht in jeder Kita besteht jede Belastung gleichermaßen. Jede Einrichtung weist ihre eigenen, situativen und strukturellen Bedingungen auf. Jede Fachkraft erlebt zudem die Beanspruchungsfolgen, abhängig von den jeweiligen Voraussetzungen, Erfahrungen und Möglichkeiten der Bewältigung anders. Daher kann kein Patentrezept helfen. Jedoch gibt es Konzepte und Erfahrungen, die Kitas unterstützen, die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern. Die "gute gesunde Kita" ist eines dieser Konzepte, welches Anregungen zur Verbesserung der Erzieherinnengesundheit entwickelt hat.

Gute gesunde Kita

Im Konzept der guten gesunden Kita geht es darum, Gesundheit jeden Tag neu entstehen zu lassen, bewusst und zielgerichtet relevante Faktoren zu stärken, die zum Wohlbefinden aller Beteiligten beitragen. Die gute gesunde Kita hilft, den Blick auf die gesundheitsfördernden Ressourcen zu werfen und unterstützt die Erhaltung der Balance zwischen Potenzialen und Gefährdungen (Risiken) - für die Kinder sowie für die Fachkräfte.

Eine Kita, die mit dem Konzept arbeitet verknüpft die Entwicklung ihrer Bildungs- und Gesundheitsqualität nachhaltig. Die Förderung der Gesundheit von Kindern und Mitarbeitern ist keine zusätzliche Aufgabe oder ein einzelnes Projekt, sondern wird zum Bestandteil der Kita-Qualität und deren Entwicklung! Denn die bestmögliche Förderung kindlicher Bildungs- und Erziehungsprozesse erfordert, dass Ihre pädagogische Arbeit in ein lernendes und entwicklungsorientiertes System eingebettet wird. Dabei benötigen Sie die Möglichkeiten, Ihre personalen und organisationalen Potenziale zu nutzen - für ihre Leistungsfähigkeit und Gesundheit!

Der Weg dahin - sechs Schritte zur Förderung der Mitarbeitergesundheit

1. Sie entwickeln ein gemeinsames Verständnis:  Als Einstieg setzen Sie sich auf der Basis persönlicher Erfahrungen mit Ihrem Verständnis von Gesundheit auseinander. Machen Sie sich auf die Suche nach personalen und organisationalen Gesundheitspotenzialen. Am Ende des ersten Schrittes entwickeln Sie im Team eine gemeinsame Vision, wie die Lebenswelt Kita für alle Beteiligten in Zukunft aussehen soll. Hierzu eignen sich Gruppendiskussionen oder Rollenspiele.

2. Sie bestimmen Ihren Ausgangspunkt und schaffen Transparenz:  Bei der Bestimmung des Ausgangspunktes geht es um die Feststellung von Potenzialen und Gefährdungen für die Mitarbeitergesundheit. Wie arbeiten wir zusammen? Wie sind die Abläufe in der Kita gestaltet? Welche Arbeitsmittel und -umgebungen fördern oder gefährden unsere Gesundheit? Und wie wirken diese Faktoren auf unsere Bildungsarbeit? Ob per Fragebogen oder durch ein anderes Verfahren, es sollten dabei Aussagen zu positiv als auch negativ empfundenen Belastungssituationen erfasst werden. Eine Gefährdungsanalyse (nach §§ 5 und 6 ArbSchG) unterstützt Sie dabei, Gefahren systematisch zu analysieren. Checklisten und Handlungshilfen erhalten Sie bei Ihrem Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.

3. Sie benennen Ihre Stärken und Entwicklungsfelder:  Steht Ihre Bestandsaufnahme? Dann gilt es nun, daraus die Ziele für Ihre individuelle Kita-Entwicklung abzuleiten. Dazu muss jetzt die Fülle der gewonnenen Daten strukturiert, analysiert und natürlich in der Gruppe diskutiert werden. Dokumentieren Sie in diesem Schritt Verhaltensweisen und Bedingungen, die unterstützend oder belastend erlebt werden, als Entwicklungsfelder. Geleitet wird dieses durch folgende Fragen: "Welche Situationen unterstützen mich/uns?", "Wann fühle ich mich/wann fühlen wir uns entlastet oder gestärkt?" aber auch "Was erlebe ich/was erleben wir als besonders belastend?".

4. Sie formulieren Ihre individuellen Ziele:  Sie wissen nun, wo Ihre Stärken und Schwächen - also Entwicklungsfelder - liegen. Sie haben sich Klarheit verschafft, was Sie gemeinsam in der Kita verändern und beibehalten wollen. Formulieren Sie nun dafür klare Ziele und schreiben Sie sie auf! Sie zeichnen auf diese Weise für alle Beteiligten ein klares Bild des Ergebnisses, das Sie gemeinsam erreichen wollen. Das Ziel muss natürlich auf einer realistischen Basis der Personal-, Zeit- und Finanzressourcen fußen, die Ihnen zur Verfügung stehen. Motto bei der Zielfestlegung: "Stärken entfalten, Schwächen beseitigen, Chancen nutzen und Risiken minimieren".

5. Sie legen Ihre Maßnahmen fest und setzen sie um:  Wie können wir unser Ziel nun erreichen? Welche Schritte müssen wir erledigen? Wer übernimmt dazu wann welche Aufgabe? Bis wann wollen wir was erledigt haben? Ihre Fragen und die Antworten darauf bilden die Kernelemente Ihres Maßnahmenplans.

6. Sie überprüfen Ihre Ergebnisse - und setzen Ihre Entwicklung fort:  Nach der Umsetzung heißt es dann im letzten Schritt Bilanz zu ziehen: "Was haben wir/ich uns vorgenommen und was wurde realisiert?", "Welche Ergebnisse und Wirkungen konnten erzeugt werden?", "Was hat sich in unserem Alltag verändert?" Auch Fragen zur Reflexion des Prozesses: "Was hat sich bewährt, was war schwierig, und was sollte beim nächsten Mal anders laufen?" sollten geklärt werden. Die Ergebnisse der Reflexion bilden wiederum die Basis für einen neuen Ausgangspunkt des nächsten Kreislaufs.

Machen Sie Gesundheit zu einer Querschnittsaufgabe in Ihrer Kita

Die sechs Schritte bilden den "roten Faden", wenn sie sich auf den Weg zu einer guten gesunden Kita machen wollen. Gehen Sie erstmal kleine Schritte, nehmen Sie aber alle Beteiligten Ihrer Kita mit und denken Sie in mehreren Entwicklungskreisläufen! Machen Sie Gesundheit zu einer Querschnittsaufgabe in Ihrer Kita und achten Sie auf gesundheitsrelevante Aspekte, zum Beispiel:

  • bei der Anschaffung neuer Materialien oder neuem Mobiliar,
  • in der Fortbildungsplanung,
  • bei der nächsten anstehenden Personaleinsatzplanung oder bei der Neuregelung von Pausenzeiten.

Und finden Sie auch heraus, wann und wo sich die Kinder in Ihrer Kita besonders wohl fühlen! Kinder sind Meister im mutigen Einlassen auf neue Situationen, dem Ausleuchten unbekannter Gegebenheiten und dem Aushalten der damit verbundenen Spannungszustände. Gerade deshalb verlangen sie nach Erzieherinnen und Erziehern, die sich ebenso lernbereit und offen auf Veränderungen einlassen.

Kita-Träger und Politik sind gefragt

Nur leistungsfähiges, gesundes und zufriedenes Fachpersonal kann eine gute Bildung- und Erziehungsarbeit leisten. Maßnahmen zur Erhaltung beziehungsweise Förderung der Gesundheit von Kita-Mitarbeitern sind daher von besonderer Bedeutung und eine wichtige Voraussetzung zur Umsetzung der Bildungsziele! Damit sich auch die Einrichtungs-Träger und die Politik gefragt, Rahmenbedingungen für gute und gesunde Kita für alle Kinder und alle Mitarbeiter zu gestalten!

Fazit

Das Projekt: Das Konzept der guten gesunden Kita wurde im Projekt "Kitas bewegen - für die gute gesunde Kita" durch die Bertelsmann Stiftung entwickelt und mit Partnern und mehr als 50 Kitas erprobt und optimiert. Weitere Informationen, wie z. B. die kostenlosen Praxisbroschüren der Reihe "Die gute gesunde Kita gestalten" erhalten Sie unter: www.gute-gesunde-Kita.de